NACHWUCHSKONZEPT

   
 


 

 

STARTSEITE

KAMPFMANNSCHAFT

NACHWUCHSKONZEPT

TRAINER-BETREUER

KINDERGARTEN

U 8

U 9

U 10

U 11

U 13

U 15

U 16

AKTUELLES

ARCHIV

TALENTE

GÄSTEBUCH

ANREISE

NEWSLETTER

TEST

 


     
 

N A C H W U C H S K O N Z E P T

 

Egal in welche Richtung sich das Kind entwickeln wird, ob es eine Profilaufbahn anstreben oder im Amateurbereich tätig sein wird, ob es Fußball nur als Freizeitvergnügen betreiben oder vielleicht als Funktionär oder als Zuschauer erhalten bleibt – der Kinderfußball schafft die Grundlagen dafür !

Erfahrungen, die das Kind in dieser Altersstufe sammelt, sind oft dafür ausschlaggebend, ob es sich vom Fußball angesprochen fühlt oder ihm den Rücken kehrt und somit dem Fußball verloren geht.

 

Grundsätze für eine altersgerechte Nachwuchsarbeit.

Wenn man annimmt, dass die fußballerische Hochbegabung normal verteilt ist und 3 bis 5 Prozent dieser Kinder und Jugendlichen weit über dem Durchschnitt liegende Leistungen vollbringen können, dann wären das, rund gerechnet 10.000 Jugendliche mit überdurchschnittlicher Befähigung für Fußballspiel. In Verbindung mit den finanziellen Möglichkeiten des ÖFB steht diese hohe Anzahl talentierter Spieler in keinem Verhältnis zu den Erfolgen unserer Nationalmannschaften. Wo liegen aber Schwächen und Fehler der Ausbildung unserer Nachwuchsspieler?

 

Begriff " Talent"

Talente im Fußball sind nicht "eindeutig" zu identifizieren. Das entscheidende Kriterium zur Identifikation ist auf den ersten Blick die auffällige Leistung im Kindesalter. Die aber ist leider kein hinreichender Indikator dafür, dass auch im Erwachsenenalter ein hohes Leistungsniveau erreicht wird. Um dennoch abschätzen zu können, ob es sich um ein Fußballtalent handelt oder nicht, geht man heute vom sogenannten "Mehrkomponenten - Modell" aus, das zur Talenter­kennung herangezogen wird. Nicht eine Komponente ist entscheidend, sondern mehrere. Es handelt sich um ein "mehrdeutiges" Konzept, das fünf Hauptkomponenten unterscheidet:

Durchsetzungsvermögen

Kreativität

Motivation

Umwelteinflüsse

Begabung, die sich in der aktuellen Leistung - hier vor allem als sportliche und soziale Begabung - niederschlägt. Neben bzw. im Zusammenhang mit der sportlichen Leistung - Spielkompetenz, Beherrschen der Technik, Taktikverständnis - haben sich als besonders einflussreiche Punkte herausgestellt: Fleiß, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Intelligenz, hier besonders die Aufgeschlossen-heit für eigenständige, neue Ideen - das sogenannte divergente Denken  sowie die soziale Begab-ung, die das Gleichgewicht herstellen kann zwischen Anpassung und Integration einerseits sowie Selbständigkeit und Durchsetzungsvermögen andererseits. An diesem Mehrkomponenten - Modell wird vor allem zweierlei sichtbar:

Nachwuchstraining darf kein eindimensionales Unternehmen sein, bei dem die sportliche Leistung im Vordergrund steht. Daher darf auch das Training nicht eindimensional strukturiert durchgeführt werden.

 Nachwuchstraining ist ein hochkomplizierter, komplexer Vorgang. Nicht nur, weil viele Bestandteile ein Talent ausmachen, sondern weil sich die einzelnen Komponenten nicht gleichzeitig entwickeln. Es gibt Entwicklungsvorsprünge in dem einen Bereich und langsamere Fortschritte in einem anderen. Der Trainer muss dies bei seiner Arbeit berücksichtigen. Das erfordert vor allem Geduld und eine vielfältige Kompetenz.

Über den rechten Umgang mit der Zeit

In der Nachwuchsarbeit geht es darum, nicht schnell voranzugehen, sondern gründlich. Man muss dem Körper Zeit lassen, sich an Belastungen und an sportliche Anforderungen zu gewöhnen.

Sechs Merkmale sind hierbei von Gewicht:

Vielseitigkeit – Variantenreichtum - -Abwechslungsreichtum – Attraktivität – Allgemeinheit - Gründlichkeit

 

Dabei kommt der Vielseitigkeit und der Gründlichkeit eine überragende Bedeutung zu.

 

Vielseitigkeit

Die Nachwuchsspieler müssen beidfüssig, also mit dem rechten und dem linken Fuß ausgebildet werden.

Sie müssen körperlich fit in den Bereichen Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Gelenkigkeit sein. Neben der Beinmuskulatur müssen sie auch eine gute Rumpf-, Rücken- und Armmuskulatur entwickeln.

Sie müssen ihre Koordination verbessern, ihr Technikrepertoire erweitern, und auf vielen Positionen spielen können, sowohl in der Abwehr als auch im Angriff und im Mittelfeld;

zentral und auf den Seiten, in der Raum- und Manndeckung sowie sich in Über- und Unterzahlsituationen zurechtfinden.

Vor einigen Jahren existierte die Vorstellung, junge Nachwuchsspieler immer nur auf der Position einzusetzen, auf der sie auch später spielen sollten. Dieses Konzept ist überholt. Erst eine vielseitige Grunderfahrung auf allen Positionen macht den späteren kompletten Spieler aus. Diese Erfahrung muss jedoch frühzeitig entwickelt und trainiert werden.

 

Gründlichkeit und Vielseitigkeit darf nicht in "Unverbindlichkeit" ausarten. Sie muss durch eine gründliche Ausbildung der Talente ergänzt werden. Ohne Gründlichkeit funktioniert ein Nachwuchstraining nicht. Andernfalls wird das Training unverbindlich, der Jugendliche weicht auf andere Dinge aus, wenn es zu anstrengend wird und beherrscht nichts wirklich kompetent und sicher. Aber auch Gründlichkeit darf nicht allein das Training bestimmen, sonst wird es monoton und langweilig und führt nicht zu neuen Belastungsreizen und neuen Herausforderungen, die notwendig sind. Vielseitigkeit und Gründlichkeit sind die beiden Pole, zwischen denen sich das moderne Nachwuchstraining abspielt. Das Entscheidende ist, dass der Trainer seinen Spielern Zeit gibt. Wer durch das Trainingspensum hindurch hetzt, verstößt gegen einen wichtigen Erfolgsgrundsatz. "Sich Zeit lassen" bedeutet nicht Langeweile, sondern die Konfrontation der Spieler mit vielen Situationen. Sie sollen aber auch so gründlich im Detail vorbereitet werden, dass sie sich in den vielen Spielsituationen kompetent zurechtfinden sowie Lösungswege erlernen und sich eingehend damit auseinandersetzen. Für diesen Weg des Nachwuchstrainings gibt es keine Alternative.

 

Ein Kinder ist kein kleiner Erwachsener

Nachwuchstraining ist Sport mit Kindern und Jugendlichen. Dabei sind einige Regeln und Fakten zu berücksichtigen, die sich einerseits darauf beziehen, wie sich Kinder aus psychologischer und pädagogischer Perspektive verhalten, und andererseits sportlich belastet werden können.

 

Kindliches Verhalten

Kindliches Verhalten ist durch schnell wechselnde Interessen gekennzeichnet. Kinder lange bei einer Aufgabe festzuhalten, stellt eine zu vermeidende Überforderung dar. Der große .'Bewegungsdrang" muss im Training jedoch kanalisiert werden, sonst ist ein geordneter Übungsbetrieb oft nicht möglich. Aber der Trainer muss auch Freiräume schaffen und selbstorganisiertes Handeln ermöglichen. Zu keinem Zeitpunkt des Lebens gibt es so rasche und so zahlreiche Veränderungen, nicht nur in körperlicher Hinsicht, sondern auch bei den Interessen, beim Anspruchsniveau, bei der Motivation, im Verhältnis zum Trainer und dem Zusammenwirken mit den Spielkamera- den. Trainer müssen sich auf die schnell wechselnden Gemütslagen der Kinder einstellen und ihnen Rechnung tragen. Insofern laufen Trainingsprogramme mit Kindern grundsätzlich anders als bei Erwachsenen ab; dies ist schon äußerlich an der Organisation erkennbar. Trainer benötigen deshalb auch Erfahrung im Umgang mit Kindern und dürfen nicht einfach das, was sie aus dem Erwachsenentraining kennen oder selbst für attraktiv halten, stur nachahmen.

Körperliche Unterschiede und sportliche Voraussetzungen:

Kinder können nur in begrenztem Umfang eine "Sauerstoffschuld" eingehen; sie neigen bei der Ausdauerbelastung deshalb eher zu Läufen, die sie in einem mäßigen Tempo durchführen; nicht zu schnellen, kurzen Aktionen und anschließender Pause (wie Erwachsene). Der Spielrhythmus ist deshalb bei Kindern völlig anders als bei Erwachsenen. Kinder können noch bis in die Pubertät asynchrone Bewegungen nur sehr unpräzise koppeln, also beispielsweise Laufen und Springen, was sich beim Kopfballspiel aus der Bewegung nachteilig auswirkt. Sie haben erhebliche Probleme mit dem "Timing" zwischen Ballgeschwindigkeit und eigener Körper-reaktion und sie erholen sich nach Belastungen zwar schneller als Erwachsene, reagieren aber erheblich schlechter auf hohe Intensitäten. Deshalb gilt im Kindertraining der Grundsatz, dass Belastungen vorrangig über den Umfang zu regeln sind, nicht wie bei Erwachsenen über die Intensität. Kindertraining muss, will es wirkungsvoll und schädigungsfrei sein, intensitätsarm vonstatten gehen.

In den seltensten Fällen sind Erfahrungen und Praktiken aus dem Erwachsenen - Training auf

das Training mit Kindern und Jugendlichen übertragbar .

Deshalb muss ein Trainer, der in diesem Bereich tätig sein will, über spezielle Erfahrungen verfügen. Es reicht nicht aus, eigenes Erleben und Kenntnisse aus dem Erwachsenentraining heranzuziehen.

 

Kondition ist bestenfalls eine " Sekundärtugend "

Die Kondition hat für den modernen und attraktiven Fußball eine hohe Bedeutung. Disziplinlosigkeit, Zweikampfschwäche, fehlende Einsatzbereitschaft und mangelhafte Kondition sind und bleiben Negativkriterien für ein erfolgreiches Spiel. Aber man muss auch wissen, dass die Kondition - deren tragendes Fundament die Ausdauerleistungsfähigkeit, Kraft und Schnelligkeit sind - insbesondere im Nachwuchstraining bestenfalls eine Sekundärtugend darstellt. Sie sollte zu den anderen Fähigkeiten wie Ballbeherrschung, Spielfähigkeit, Spielfreude und Kreativität hinzukommen, wenn ein optimaler Erfolg angestrebt wird; ist aber nur bedingt die Voraussetzung dafür. Für das Nachwuchstraining gilt, dass eine gut begründete zeitliche Reihenfolge der Bedeutungen existiert: Zuerst wird die Spielfähigkeit, die Ballbeherrschung, die Spielfreude und die Spielkreativität entwickelt, erst dann folgt die Kondition.

 

Spezialisten für das Nachwuchstraining

Die Schlüsselrolle bei der optimalen Nachwuchsförderung und bei der bestmöglichen Gestaltung des Nachwuchstrainings nimmt der Trainer ein. Man kann die Weichen noch so gut stellen, die finanziellen Aufwendungen weiter anheben und die organisatorischen Bedingungen optimal gestalten, entscheidende Voraussetzung bleibt die Trainerfrage. Der Trainer muss gut ausgebildet, fachlich erfahren und auf den Kinder- und Jugendfußball spezialisiert sein.

Deshalb ist wichtig, dass Nachwuchstrainer im Rahmen der Fußball - Lehrerausbildung ein hohes Maß an Eigenständigkeit erhalten. Sie sollen neben den üblichen Inhalten nicht nur das eine oder andere Element aus dem Nachwuchsprofil kennen lernen. Die Trainingsinhalte unterscheiden sich im Nachwuchsbereich so gravierend von denen des Erwachsenenfußballs, dass eine Vermischung beider Bereiche schädlich ist. Der Fußball - Lehrer, der im Nachwuchs-bereich arbeitet, muss als Spezialist für den Nachwuchsbereich ausgebildet worden sein.

 

Nachwuchsförderung ist keine Einschienenbahn

Vielfach herrscht auch unter Experten die Meinung vor, dass sich ein angehender guter Fußballer nach dem Vorbild der Erwachsenen früh die Grundregeln des Spiels aneignen und nach ihren Regeln und Prinzipien spielen müsse. Sie haben dabei vielleicht im Blick, dass auch ein Schachspieler sein Können - unabhängig von seinem Alter - dadurch verbessert, dass er große Schachpartien nachspielt . Wie es die "Alten" und Experten vormachen, so machen es die Jungen und die Anfänger nach. Nur, was für das Schachspiel gilt, lässt sich nicht auf den Fußball über -  tragen.

 

Die Nachwuchsförderung im Fußball folgt hingegen anderen Regeln. Sie ist keine Einschienenbahn, bei der man zum Ziel gelangt, wenn man immer nur auf dem vorgegebenen Gleis bleibt und auf jeder Etappe eines langen Schienenweges immer das gleiche tut: das eigene aktuelle Können mit dem Können der "großen Meister" vergleicht und sich so langsam deren Können annähert. Sportliche Nachwuchsförderung verfolgt im Gegensatz dazu eine andere Form der Annäherung an ein vorgegebenes Ziel; nicht auf dem direkten, sondern auf dem indirekten Wege, aus vielen verschiedenen Richtungen kommend, mit unterschiedlichem Tempo, mit den unterschiedlichsten Inhalten im Gepäckwagen, einmal auf einer breiten, einmal auf einer schmaleren Spur fahrend. Es gibt Gründe für diesen Unterschied. Der wichtigste ist, dass die sportliche Leistungsfähigkeit an die körperliche Entwicklung und biologischen Gesetzmäßig -keiten gebunden ist. Viele biologische Leistungsparameter von Kindern und Jugendlichen sind , nicht identisch mit denen von Erwachsenen. Beim Schachspiel ist es z.B. durchaus möglich, dass ein 10 - jähriger einen Erwachsenen schlägt. Im Fußball ist dies ausgeschlossen.

Noch einmal gilt festzuhalten: Die Förderung von Hochbegabten im Sport muss andere Strategien verfolgen als die Förderung von Hochbegabungen z.B. in Kunst oder Wissenschaft. Einschienenbahnen als Förderstrategie sind im Fußball nicht erfolgversprechend.

 

Kinder sind keine Profifußballer

Wir wissen alle, was am Ende von einem Fußballer der internationalen Klasse gefordert wird: Kondition, Zweikampfverhalten und Disziplin, die sogenannten "deutschen Tugenden", aber auch Technik, Kreativität und Führungsqualitäten. Die Prioritäten bei der Nachwuchsförderung müssen jedoch anders gewichtet werden und Spielfähigkeit, Improvisationskompetenz, Technikbeherrschung und eine anspruchsvolle koordinative Vielseitigkeit in den Mittelpunkt stellen.

Wie und vor allem wann geschieht dies? In der frühesten Etappe des Nachwuchstrainings, die auch als Basisausbildung bezeichnet wird, geht es kaum um eine systematische, zielgerichtete, geplante Bearbeitung vorgegebener Aufgaben. Natürlich gehört auch sie dazu, aber sie wird erst auf einer Grundlage sinnvoll und nützlich, die noch viel stärker als zur Zeit üblich von der Eigeninitiative des Kindes und seiner Fähigkeit, mit Spielsituationen selbstständig umzugehen, bestimmt wird. Sinnvoll wird die frühzeitige Förderung erst dann, wenn zunächst über der fußballerischen Erfahrung das eigene Erleben steht und nicht die Simulation von Fremderfahrungen und die Imitation des "fertigen" Spiels. Kreativität, Selbstverantwortung, Eigenständigkeit und risikofreudiges Ausprobieren neu er Varianten lernt man nicht erst nach dem 20. Lebensjahr unter dem Druck, sportliche Erfolge erzielen zu müssen. Sie werden im Kindesalter gelernt, ohne den Druck der Trainer und Eltern, die beständig steuernd und regelnd, aber auch reglementierend das kindliche Spiel begleiten. Talente entfalten sich auf dieser frühen Förderstufe der Basisausbildung vor allem dadurch, dass sie Gelegenheit bekommen, eigene Erfahrungen zu sammeln.

 

Der perspektivische Charakter des Nachwuchstrainings

Alle Maßnahmen zur Förderung des sportlichen Nachwuchses haben perspektivischen Charakter. Es geht immer darum, auf der Grundlage gegenwärtiger Voraussetzungen die zukünftigen individuellen Leistungsmöglichkeiten angemessen vorzubereiten. Im Rahmen dieser Vorbereitung darf nichts getan oder unterlassen werden, was das Erreichen der Leistungsziele in der Zukunft behindert. Dabei sind drei Punkte besonders zu berücksichtigen:

 

Das Kriterium der Langfristigkeit: Der langfristige Trainingsaufbau - in der Regel gegliedert in Grundlagen-, Aufbau- und Hochleistungstraining mit den ihnen jeweils zugeordneten Inhalten - bietet entscheidende Vorteile gegenüber der Kurzfristigkeit der Trainingsplanung. Das hohe Leistungsniveau, das heute im internationalen Vergleich verlangt wird, ist nur durch langfristige und systematische Trainingsarbeit zu erreichen.

 

Das Kriterium der Berücksichtigung des individuellen Entwicklungstempos: So wie es beim körperlichen Wachstum weit entwickelte und zurückhängende Kinder gibt, gibt es auch im sportlichen Lern- und Entwicklungstempo unterschiedliche zeitliche Ausprägungen. Zwar lernen die Talentierten häufig schneller als die weniger Talentierten, ein sicheres Kriterium ist es indes nicht. Deshalb ist es wichtig, im Trainingsprozess die individuell unterschiedlichen Lerntempi zu berücksichtigen.

 

Das Kriterium der Notwendigkeit von Zwischenetappen: Zwischenetappen dienen vor allem dazu, die Steigerung der Leistungsanforderungen zu systematisieren, die Langfristigkeit übersichtlicher zu gestalten und realistische, kurz- und mittelfristig erreichbare Ziele zu setzen.

Die gesamte Arbeit im Nachwuchsbereich muss für die Zukunft konzipiert sein und darf nicht ausschließlich den Anforderungen der Gegenwart genügen wollen.

 

Am Anfang steht die Ausbildung der Koordination

Die sportliche Kompetenz setzt sich aus mehreren Merkmalen zusammen. Auf die Bewegung beziehen sich die Kondition, die Technik und die Koordination. Gelegentlich werden Technik und Koordination als identisch angesehen, was aber falsch ist. Koordination ist nicht vorrangig Technik, sondern das ökonomisierte und "geschickte" Bewegungsverhalten, welches zwar auch im Umgang mit dem Ball erfolgt (das trifft übrigens auch auf die Kondition zu), aber insbesondere neben Technik und Kondition einen eigenen Stellenwert besitzt. Koordination ist gekennzeichnet durch das Zusammenspiel von Wahrnehmung (dazu gehören vor allem die visuelle Wahrnehmung und die Kinästhetik als das Bewegungsgefühl), Zentralnervensystem und Muskulatur. Die Koordination bildet sich von allen Bewegungsfähigkeiten am frühesten aus und kann deshalb auch als erste systematisch geschult werden. Sie kann außerdem ohne hohe Belastungsintensitäten trainiert werden; also ohne hohe Anforderungen an den Bewegungs -apparat. Sie stellt die Voraussetzung für rationelles Bewegungsverhalten dar. Alle drei Aspekte sind für das Nachwuchstraining fundamental und unverzichtbar: Die Frühzeitigkeit, die geringe Belastungsintensität und damit die Vermeidung von Verletzungen sowie das ökonomische Bewegungsverhalten. Deshalb muss jedes systematische Nachwuchstraining im Fußball mit der Verbesserung und Schulung der Koordination beginnen.

 

Entscheidend für die frühen Jahre: Entwicklung der Spielfähigkeit

Die Entwicklung der Spielfähigkeit hängt eng mit derjenigen der Koordination zusammen und unterteilt sich in soziale, physische, kognitive, körperliche und psychische Faktoren sowie auf die Faktoren, die Technik und Taktik bestimmen. Die Spielfähigkeit stellt die Basis der Spielkompetenz dar und gehört so von Beginn an zu den wichtigsten Inhalten des Nach -wuchstrainings. Besonders wichtig für das Training mit Kindern ist die Gruppe der psychischen, kognitiven und sozialen Faktoren. Zu den psychischen Faktoren gehören Charaktereigen­schaften, Willenseigenschaften und Motivation. Zu den kognitiven Faktoren zählen Entscheid­ungsfreudigkeit, Risikobereitschaft und Antizipationsfähigkeit (das Voraussehen von Beweg­ungen und Spielzügen und ihr Vor- wegnehmen im eigenen Handeln). Zu den sozialen Faktoren gehören Kooperationsfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Handlungsfreude, soziales Verhalten, das Einordnen und die Übernahme von Verantwortung in der Gruppe. Kinder sollen sich vor einer Aufgabe nicht drücken, sondern Selbstbewusstsein entwickeln, das auf einem realistischen und nach- gewiesenen hohen Anspruchsniveau beruht. Soziales Verhalten ist eine wichtige Komponente der Spielfähigkeit. Und wer es in der Gruppe gelernt hat, der wird es vielleicht auch außerhalb des Spielfeldes praktizieren können.

 

Ziel des Wettkampfs ist nicht der Erfolg allein

Im Nachwuchstraining stellt die bloße Ergebnisorientierung ein Hindernis für die langfristige Leistungsentwicklung und den langfristig angestrebten Erfolg dar. Dies erscheint auf den ersten Blick paradox, beim zweiten Hinsehen wird aber deutlich, dass man zwischen kurz- und langfristigem Erfolg unter- scheiden muss. Wer immer nur das aktuelle Ziel im Auge behält, überreizt und stumpft die Erfolgsorientierung ab. Das Nachwuchstraining ist aber eine langfristig angelegte Schulung, die seine eigentlichen Ziele in der Zukunft hat. Sie ist in diesem Sinne nicht unmittelbar "produkt-", sondern " prozessorientiert ". Erfolge müssen sich im langfristigen und systematischen Trainingsprozess - fast wie von selbst - einstellen, sie dürfen nicht das aktuelle Trainingsziel bestimmen. Gerade das Erfolgsstreben ist im Nachwuchstraining eine höchst zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es notwendig, da Wettkampfsport ohne Erfolgs-orientierung unsinnig ist; andererseits muss man aber Geduld haben, um den langfristigen Erfolg nicht durch kurzfristige Zielsetzungen zu gefährden. Über die kurzfristigen Erfolge führt in jedem Fall kein direkter Weg zu den langfristigen. Insofern hat der Wettkampf im Nachwuchs-training nicht nur den Erfolg im Sinn, sondern unterschiedliche Zielsetzungen:

Der Wettkampf gibt dem Trainer und den Spielern die Möglichkeit zu überprüfen, ob die im Training gelernten Dinge auch im Wettkampfspiel angewendet werden können. So hat jeder Wettkampf Testcharakter. Der Wettkampf bedeutet schließlich die Bewährungsprobe für den Spieler und bietet ihm die Möglichkeit zur Bestätigung seiner Leistung und seines Leistungsfortschritts.

Der Wettkampf ist aber vor allem im Nachwuchsbereich ein Lernfeld für Spieler und Trainer, ein Experimentierfeld zum Ausprobieren der eigenen Stärken und Schwächen.

 

Brauchen Talente Vorbilder?

Es gehört zum normalen Verhalten, dass Kinder und Jugendliche - in welchen Bereichen auch immer - sich unter Erwachsenen den besonders Erfolgreichen, den Beliebten und Berühmten zum Vorbild suchen. Der kindliche Nachahmungstrieb sowie das Bedürfnis, die Karriere anderer auf die eigenen Leistungsentwicklung zu projizieren, legen dies nahe. Die allzu frühe Imitation von Erwachsenenverhalten verhindert aber oft, dass eigene Wege gegangen und eigene Vorstellungen entwickelt werden, was für den eigenen Lebensweg und die eigene Karriere wichtig ist. Wenn es darum geht, dass Kinder und vor allem jugendliche Talente einen Selbstfindungsprozess durchlaufen und Eigenständigkeit entdecken müssen, dann sind Nachahmungsverhalten und Nachahmungserwartungen eher mit Vorbehalt zu bewerten. Ein Nachwuchs- und Talentförderkonzept schwerpunktmäßig auf die Wirkung von Vorbildern und auf die Anpassung an sie auszurichten, bedeutet, den Glauben an den Fortschritt bereits verloren zu haben und Stagnation als Leitziel zu propagieren. In diesem Zusammenhang ist die Frage zu stellen: Entspricht der Spielertyp von heute auch noch im Jahre 2010 den Erwartungen, die dann an einen Fußballspieler von internationalem Niveau gestellt werden? Ziel des Nachwuchstrainings ist vor allem der Zugewinn an selbst gesteuerter Erfahrung, nicht die Nachahmung der Erfahrungen anderer. Wer Kreativität und Führungsqualitäten im Spiel fordert, darf nicht zur Nachahmung und Imitation erziehen. Die frühe Förderung und schnelle Integration in den auf Erfolg ausgerichteten Spielbetrieb sind keine Garanten für eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit. Es geht nämlich um etwas völlig anderes - um frühe Spielererfahrungen in selbstverantworteten Situationen und um Lerngelegenheiten im Kindesalter. Erst im Erwachsenen - oder späten Jugendalter gesellen sich leistungssportliche Ansprüche hinzu.

 

Ersatz für den " Straßenfußball " finden

Es ist kein Geheimnis, dass die Kinder früher auf der Straße Fußball spielten und ihre Spiel -

und Bewegungserfahrungen unbeobachtet und ohne Eingriffe der Erwachsenen sammeln konnten. Schon seit geraumer Zeit ist dies - auch auf dem Lande - nicht mehr oder kaum noch möglich. Die heutige Jugend sitzt in der Schule, sitzt vor dem Fernseher und dem Computer, wird zweimal in der Woche nachmittags von den Eltern mit dem Auto zum Sportplatz gefahren und nach dem Training dort wieder abgeholt. Sie ist in der 1- Kindfamilie überbehütet und umsorgt und befindet sich an der kurzen Leine von Eltern, Lehrern und Trainern. Dazu wird ihre Welt von den Werten und Normen der Erwachsenen bestimmt. Die Kinder - Welt ist bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft. Die Partizipation an der Erwachsenen - Welt ist das heutige Problem von Kindheit. Nicht das Spiel bestimmt ihren Alltag, sondern Konsumteilhabe. Für Bewegungserfahrungen bleibt nur ein Bruchteil an Zeit. Wir leben in einer immer bewegungsärmeren Welt und können daran nahezu nichts ändern. Wir werden also auch den "Straßenfußball" nicht wiederbeleben können. Man müsste und könnte jedoch die positiven Elemente des Straßenfußballs als Ersatz wenigstens in Teilen reaktivieren. Zwei Aspekte verdienen hierbei eine besondere Aufmerksamkeit:

Wir können und müssen Zeit für das freie, von Kindern selbst organisierte Spiel zur Verfügung stellen. Nicht immer darf der Trainer im Hintergrund stehen und Anweisungen geben. Es müssen Alternativen entwickelt werden zum systematischen, zielgerichteten und geplanten Training - nicht an Stelle des Trainings, sondern ergänzend dazu. Kinder brauchen Spielräume für eigene Erfahrungen. Wir, die Erwachsenen in den Sportvereinen, sollten uns damit begnügen, den Kindern Zeit und Raum anzubieten. Alles andere machen die Kinder dann von selbst. Sie machen fußballerische Erfahrungen, und sie machen auch soziale Erfahrungen (häufig besser ohne als mit den Erwachsenen).

Wir können und müssen Lerngelegenheiten für die Kinder schaffen, da sie in den frühen Jahren der Leistungsentwicklung unverzichtbar sind. Zur Lerngelegenheit gehört, dass sich die Erwachsenen mit ihren Eingriffen zurückhalten. Kinder müssen lernen, mit Sieg und Niederlage umzugehen und sich sowohl in eigne Mannschaft einordnen als auch eine Führungsrolle übernehmen können. Sie müssen das eigene Anspruchsniveau an die eigene Leistung anpassen und nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig wollen. Es gilt, die Furcht vor Misserfolgen zu verlieren, ihn andererseits aber auch als Ansporn für neue Versuche und neue Aktivitäten zu nehmen. All dies muss ohne die Kontrolle von Eltern und Trainern erprobt werden, um Eigenständigkeit und Selbstverantwortung zu fördern.

 

Sinn und Unsinn des Leistungsprinzips

In einem Bericht über ein Fußballinternat und die dort praktizierten Förderstrategien hat sich der Leiter als oberste Maxime seiner Arbeit auf ein "gnadenloses Leistungsprinzip" berufen. Was er darunter im einzelnen versteht, ist undeutlich geblieben. Bei der großen Nachfrage an Interessenten ist allerdings zu vermuten, dass hier der kurzfristige Erfolg im Wettkampf und bei Tests das langfristige Ziel der Förderung verdrängt. Wenn die Trainer- und Vereinsinteressen auf den kurzfristigen Erfolg gerichtet sind und das aktuelle Leistungsniveau des einzelnen Spielers ausschließlich unter der Zielsetzung von Erfolg und Gewinn stehen, ist hier bereits der Keim des Scheiterns im Sinne einer langfristigen Förderung gelegt. Nachwuchstraining ist die Vorbe-reitung auf den Leistungssport, nicht seine rigorose Anwendung. Das gnadenlose Anwenden des Leistungsprinzips befriedigt lediglich die Ansprüche ehrgeiziger Trainer und Eltern, sie fördert jedoch nicht die Leistungsfähigkeit der jungen Talente. Die notwendige Auswahl bei der Nachwuchsförderung ist nur sekundär auf das augenblickliche Leistungsniveau bezogen, primär geht es um die Beurteilung der Fähigkeiten der Spieler und die Verbesserung des Niveaus. So steht jede Auswahlmaßnahme unter dem Vorbehalt der Perspektive der Leistungsentwicklung.

 

Von der Vielfalt zur Norm, nicht umgekehrt

Konzepte zur Nachwuchsförderung im Fußball werden heute in zwei Richtungen diskutiert: Die einen befürworten eine an den Normen des Wettkampfspiels der Erwachsenen orientierte Ausbildung des Nachwuchses und eine konsequente Anpassung an die aktuellen Standards, über die erfolgreiche Fußballer heute verfügen. Das bedeutet für den Nachwuchs eine frühe Auslese, konsequente Eliteförderung (nur die Besten kommen weiter} und eine Reproduktion standardisierter Normwerte.

.Die anderen fordern statt dessen eine Vielfalt der Anforderungen, Kreativität und Eigenverantwortung, Förderung der komplexen Spielfähigkeit, Variantenreichtum und Anpassung an die kindliche Erlebniswelt - also keine Anpassung an die Erlebniswelt der Erwachsenen und keine unmittelbare Kopie des Spitzenfußballs.

Je jünger die Nachwuchsspieler sind, desto konsequenter wird dieses zweite Konzept vertreten. Je älter sie werden, um so stärker treten Übergänge zum ersten Konzept zutage.

Es gilt: Von der Vielfalt zur Norm, nicht umgekehrt.

Das Fußballspiel war ursprünglich ganz einfach. Es basierte darauf, dass zwei Mannschaften mit der gleichen Zielsetzung gegeneinander spielten und jede versuchtet die eigenen Ziele durchzusetzen. Auf der einen Seite sollten Tore geschossen, auf der anderen Treffer des Gegners verhindert werden. Dieser Grundgedanke kann durch die Größe der Mannschaften, Über - oder Unterzahl, Torschüsse nur aus einer bestimmten Entfernung, größere oder kleinere Tore, den Ball nicht höher als Kniehoch spielen usw. unendlich variiert werden. Ein Merkmal des sogenannten  "Straßenfußballs"  war, dass je nach Bedarf und Möglichkeiten von der Vielfalt der Varianten Gebrauch gemacht wurde. Beim normierten Wettkampfspiel steht die Vergleichbarkeit und die Standardisierung der Bedingungen im Mittelpunkt. Deshalb wurden und werden immer mehr Regeln geschaffen, die das Spiel und die Vielfalt seiner Möglichkeiten einengen. Wir haben es hier also mit der Reduktion der beinahe unendlichen Vielfalt des Fußballspiels zu tun. Diesem Prozess muss entgegengewirkt werden, damit sich das Spiel und die Spieler weiterentwickeln und vor allem ein Wesensmerkmal des Spiels erhalten bleibt:

Die Spielfreude !

Fußball darf nicht - und Nachwuchsförderung schon gar nicht - zur Fließbandarbeit von Standards verkümmern.